Volleyball-Oberligist SG Sinsheim/Helmstadt gewinnt Kellerduell in Heidelberg mit 3:0 und verlässt erstmals die Abstiegsränge
Von Eric Schmidt
Heidelberg. Die Fans der SG Sinsheim/Helmstadt waren bestens ausgerüstet. Robin Friederich hatte zum Kellerduell bei der SG Heidelberg 3 eine Trommel mitgebracht, sein Bruder Nico saß mit einer großen dunkelblauen Tasche auf der Tribüne. Wer wollte, konnte aus diesem sogenannten „Überraschungsbeutel“ ein Überraschungsgetränk ziehen, das entweder ein bayrisches oder ein mexikanisches Bier war. „Ich habe ungefähr zehn Stück dabei“, verriet Nico Friederich.

Der Krabbelsack der Fans passte zum Volleyball-Oberligisten aus dem Kraichgau, der ja selbst eine Wundertüte ist. Am Samstagnachmittag griff die SG Sinsheim/Helmstadt besonders tief in die Trickkiste. Mit 3:0 (25:22, 25:22, 26:24) gewann die Mannschaft von Trainer Rudi Sonnenbichler das Kellerduell zwischen dem Tabellendrittletzten und dem Tabellenvorletzten und feierte damit gleich eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal holte sie sich in der laufenden Saison drei Punkte, zum ersten Mal verließ sie die Abstiegsränge. Statt Neunter ist sie mit nunmehr zehn Punkten Achter. Die SG aus Sinsheim/Helmstadt hat mit der SG aus Heidelberg die Position getauscht.
Furiose Aufholjagd
Rudi Sonnenbichler war sichtlich stolz auf seine Mannschaft. Nach der kleinen Après-Party nach dem Schlusspfiff bildete der stets kritische Coach mit den Spielern einen Gesprächskreis und drückte seine Anerkennung aus. Gleichzeitig bat er um Entschuldigung. „Innerlich hatte ich den dritten Satz schon abgehakt. Ich hab’ nicht mehr geglaubt, dass wir den gewinnen und hab’ schon die Aufstellung für den vierten Satz gemacht“, gab der 78-Jährige zu. Zuspieler Johannes Dumke grinste: „Es ist doch schön, dass wir Rudi auch in dem Alter noch überraschen können.“
Die Fans im Sportzentrum Mitte fühlten sich phasenweise an das letzte Spiel sechs Tage zuvor erinnert. Wie beim 3:2-Erfolg gegen den USC Freiburg begann die SG Sinsheim/Helmstadt stark und führte nach Sätzen bereits 2:0. Auffällig war unter anderem der Block: Immer wieder wehrten Henrik Schnetzer und Lennart Schmutz gegnerische Bälle ab, auch der Angriff – vor allem über Außen – ließ es krachen.
Im ersten Satz lag die SG SiHe zunächst 5:7 und 12:15 zurück, ehe sie beim 17:16 das Ruder herumriss, sich auf 23:20 und 24:21 absetzte und den zweiten Satzball zum 25:22 nutzte. Sonnenbichler freute besonders, dass auch seine Doppelwechsel funktionierten.
Der zweite Durchgang ging noch besser von der Hand. Von Beginn an lagen die Kraichgauer vorne – erst 5:3, dann 18:13. Selbst als die SG Heidelberg mit vier Punkten in Serie auf 17:18 herankam, behielt Sinsheim/Helmstadt die Nerven und verwandelte den zweiten Satzball zum 25:23.
Auch der dritte Satz begann vielversprechend. Die SG SiHe nutzte zahlreiche Fehler des Gegners zu einer 7:2-Führung. Doch dann schlich sich Nachlässigkeit ein. „Wir haben unglaubliche Fehler gemacht, viele Bälle versemmelt und sind nachlässig geworden“, stellte Sonnenbichler fest. Aus dem 7:2 wurde ein 8:7, später aus einem 12:9-Vorsprung sogar ein 12:17-Rückstand.
Während der Trainer bereits den vierten Satz plante, startete seine Mannschaft die große Aufholjagd. Von 12:17 kämpfte sie sich auf 17:18 heran. Dank guter Aufschläge von Henrik Schnetzer machte die SG aus einem 20:23 ein 23:23. Nach der Abwehr eines Satzballs nutzte Sinsheim/Helmstadt schließlich den ersten Matchball zum umjubelten 26:24.
„Wir haben zusammengehalten. Und als wir down waren, haben wir uns zusammen rausgehauen“, erklärte Lennart Schmutz. Joe Dumke sah das ähnlich und bedankte sich besonders bei Henrik Schnetzer: „Er hat uns mit seinen Angaben am Schluss den Arsch gerettet.“
Fünf Punkte aus den letzten drei Spielen zeigen den Aufwärtstrend: In der Rückrunde hat die SG SiHe bereits genauso viele Punkte geholt wie in der gesamten Vorrunde. „Ein gewisser Lernanteil ist schon da“, findet Rudi Sonnenbichler, warnt aber: „Niemand darf glauben, dass es so weitergeht. Es ist arschglatt in der Oberliga.“
Mit anderen Worten: Es braucht noch einige „Überraschungsbeutel“ – und vor allem viele Punkte aus der Wundertüte.